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Familie heute

Fami­lie ver­än­dert sich auf­grund gesell­schaft­li­chen Wan­dels von einer selbst­ver­ständ­li­chen, qua­si natur­ge­ge­be­nen Res­sour­ce zu einer zuneh­mend anspruchs­vol­len Akti­vi­tät von Frau­en, Män­nern, Kin­dern, Jugend­li­chen und älte­ren Men­schen, die in Fami­li­en leben bzw. leben wol­len. Fami­lie ist heu­te eine vor­aus­set­zungs­vol­le Her­stel­lungs­leis­tung ihrer Mit­glie­der.“ (BMFSFJ 2006, Schier/Jurczyk 2007). Damit Fami­lie lebens­lang berei­chernd, lie­be­voll, mit Freu­de gelebt wer­den kann, sind Orte der Beglei­tung und Stär­kung not­wen­dig.

Fami­li­en­bil­dung – unse­re Über­zeu­gung und Pra­xis

Die katho­li­sche Fami­li­en­bil­dung begeg­net dem Men­schen mit Ach­tung und Offen­heit auf der Grund­la­ge des christ­li­chen Men­schen­bil­des. Sie ver­traut auf das jedem inne­woh­nen­den Schöp­fungs­po­ten­ti­al und bie­tet den Erfah­rungs­raum und die Zeit für indi­vi­du­el­le Ent­wick­lung.

In ver­trau­ens­vol­ler Atmo­sphä­re wird die Erfah­rung von Akzep­tanz, Tole­ranz, Offen­heit, Trans­pa­renz, Frei­heit und Ver­bind­lich­keit ermög­licht, wobei eige­ne Ant­wor­ten aus dem Glau­ben weder auf­ge­nö­tigt noch ver­schwie­gen wer­den.

Fami­li­en­bil­dung – unse­re Visi­on

Fami­li­en­bil­dung ermu­tigt und stärkt die Men­schen, damit sie über ihre Mög­lich­kei­ten hin­aus wach­sen und Zukunft gestal­ten kön­nen. Katho­li­sche Fami­li­en­bil­dung ver­traut auf die Zusa­ge Jesu: „Ich bin gekom­men, damit sie das Leben haben und es in Fül­le haben.“ (Joh 10,10)

Fami­li­en­bil­dung — der kirch­li­che Auf­trag

  • Syn­oden­pa­pier der deut­schen Bischö­fe, 1975
  • Sozi­al­wort der Kir­chen, 1997
  • Pas­to­ra­le Rege­lun­gen der ein­zel­nen Bis­tü­mer

Fami­li­en­bil­dungs­stät­ten sind Orte für lebens­lan­ges Ler­nen. Der Kir­che bie­ten sie in ihrer Brü­cken­funk­ti­on zwi­schen „Markt­platz und Kir­che“ die außer­ge­wöhn­li­che Chan­ce, Men­schen zu errei­chen, die zwi­schen Abge­wandt­heit und dem Wunsch nach neu­er Ori­en­tie­rung ihren Weg suchen. Fami­li­en wer­den aus der christ­li­chen und wer­te­ori­en­tier­ten Grund­hal­tung her­aus bei den stei­gen­den Anfor­de­run­gen in der Gesell­schaft beglei­tet.

Fami­li­en­bil­dung – der öffent­li­che Auf­trag
§ 16 Abs.2 Nr.1 SGB VIII:

  • eigen­stän­di­ger, mit ande­ren Arbeits­fel­dern der Kin­der- und Jugend­hil­fe ver­bun­de­ner Bereich, der viel­fäl­ti­ge Lern­pro­zes­se in der Fami­lie unter­stützt
  • Fami­lie besteht nicht nur aus dem Ver­hält­nis Eltern-Kin­der, son­dern bezieht genera­tio­nen­über­grei­fend viel­fäl­ti­ge Bezie­hun­gen, Ver­ant­wort­lich­kei­ten und Soli­da­ri­tät ein.

Fami­li­en­bil­dung als Metho­de der Prä­ven­ti­on

Fami­li­en­bil­dung ist gene­ral­prä­ven­tiv und ganz­heit­lich und hat als Quer­schnitts­auf­ga­be die Ent­wick­lung und Erwei­te­rung von Basis­kom­pe­ten­zen.

Prä­ven­ti­on in der Fami­li­en­bil­dung kann damit wie folgt defi­niert wer­den: Vor­be­rei­tung der Fami­li­en­mit­glie­der auf Pha­sen und Situa­tio­nen in der Fami­li­en­ent­wick­lung durch Infor­ma­ti­on und Erwei­te­rung von Kom­pe­ten­zen.“
Ifb-Mate­ria­li­en 1–2004, S. 7

Fami­li­en­bil­dung – die Qua­li­tät der Arbeit

Fami­li­en­bil­dungs­stät­ten / katho­li­schen Ein­rich­tun­gen der Fami­li­en­bil­dung haben

  • einen klar defi­nier­ten Schwer­punkt Fami­li­en­bil­dung
  • eine eige­ne Arbeits- und Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur
  • ein ver­öf­fent­lich­tes Pro­gramm
  • einen defi­nier­ten regio­na­len Ein­zugs- bzw. Wir­kungs­be­reich
  • eine haupt­amt­li­che Lei­tung der Ein­rich­tung und wei­te­re haupt­amt­li­che Fach­kräf­te
  • ein Qua­li­täts­ma­nage­ment zur Ver­bes­se­rung der Pro­gramm- und Ein­rich­tungs­qua­li­tät

Fami­li­en­bil­dung – die Trä­ger­struk­tur

Trä­ger von kath. Ein­rich­tun­gen der Fami­li­en­bil­dung sind über­wie­gend

  • die Bis­tü­mer
  • ein­ge­tra­ge­ne Ver­ei­ne (e.V.), die der katho­li­schen Fami­li­en-, Erwach­se­nen- und/oder der Frau­en­bil­dung ver­bun­den sind
  • gGmbh

Fami­li­en­bil­dung – das Leis­tungs­spek­trum

  • Maß­geb­lich sind zunächst die ört­li­chen Gege­ben­hei­ten und Bedar­fe.
  • Die Auf­ga­ben wer­den kon­kre­ti­siert nach den Anfor­de­run­gen und Bedin­gun­gen von
    • Lebens­pha­sen (Vor­be­rei­tung auf die Eltern­schaft, Beglei­tung und Unter­stüt­zung in den Fami­li­en­pha­sen und Über­gän­gen)
    • Ziel­grup­pen (Inter­ge­nera­tio­nel­le Bil­dungs­an­ge­bo­te, z.B. für Senio­ren und Kin­der, Frau­en- Müt­ter-Mäd­chen­ar­beit, Män­ner-Väter-Jun­gen­ar­beit, Ange­bo­te für unge­wollt kin­der­lo­se Paa­re
    • Lebens­la­gen (Fami­li­en mit getrennt- und allein­er­zie­hen­den Eltern­tei­len, Migran­ten­fa­mi­li­en, Adop­tiv- und Pfle­ge­fa­mi­li­en, etc.)

Fami­li­en­bil­dung – zen­tra­le Auf­ga­ben

  • Unter­stüt­zung und Beglei­tung von Fami­li­en ins­be­son­de­re in Umbruch- und Über­gangs­si­tua­tio­nen durch geziel­te Ange­bo­te
  • För­de­rung von Res­sour­cen zur Gestal­tung des Fami­li­en­le­bens, zur Erzie­hung von Kin­dern und zur Orga­ni­sa­ti­on des Haus­halts
  • Stär­kung von Bin­dungs- und Bil­dungs­fä­hig­keit als Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­ti­on für das Leben in Fami­lie, Beruf und Gesell­schaft
  • Refle­xi­on der gesell­schaft­li­chen Situa­ti­on von Fami­li­en und Unter­stüt­zung der Belan­ge von Fami­li­en im poli­ti­schen und kirch­li­chen Raum.

 

Familienbildung als „Lebensschule“ mit präventiver Wirkung

Fami­li­en­bil­dung als dia­lo­gi­scher Pro­zess

Bil­dung wird ver­stan­den als ein dia­lo­gi­sches, inter­sub­jek­ti­ves Gesche­hen in for­ma­len, non­for­ma­len oder infor­mel­len Lern­pro­zes­sen.

Die Fach­kräf­te der Fami­li­en­bil­dung sind hier­bei Mode­ra­to­rIn­nen mit hoher päd­ago­gisch­di­dak­ti­scher Kom­pe­tenz, die Grup­pen­pro­zes­se beob­ach­ten und struk­tu­rie­ren­des, Impuls geben­des und beglei­ten­des Han­deln gewähr­leis­ten. Sie set­zen gezielt bei den Mög­lich­kei­ten und den Res­sour­cen der Fami­li­en an.

Fami­li­en­bil­dung – die Metho­den

Die Bil­dungs-, Ver­mitt­lungs- und Erleb­nis­for­men der Fami­li­en­bil­dung sind viel­fäl­tig. Der Dia­log steht als Lern­form im Zen­trum: ler­nen von­ein­an­der und ler­nen mit­ein­an­der. Die per­sön­li­chen Erfah­run­gen und das eige­ne Erle­ben der Fami­li­en und ihrer ein­zel­nen Mit­glie­der ste­hen im Vor­der­grund.

  • infor­mie­ren statt beleh­ren
  • ermun­tern statt Vor­schrif­ten machen
  • unter­stüt­zen statt bevor­mun­den
  • auf­bau­en statt kri­ti­sie­ren

Fami­li­en­bil­dung – so viel­fäl­tig wie Fami­li­en

  • Bil­dung für die gan­ze Fami­lie: sowohl genera­ti­ons­über­grei­fen­de als auch indi­vi­du­el­le Anspra­che von Eltern, Kin­der oder auch Groß­el­tern als ein­zel­ne Fami­li­en­mit­glie­der, als Frau oder Mann, als Mäd­chen oder Jun­ge
  • Viel­fäl­ti­ge Bedar­fe von Fami­li­en –viel­ge­stal­ti­ge Ange­bo­te der Fami­li­en­bil­dung
  • Part­ne­rIn auf Augen­hö­he, der/die selbst­be­stimm­tes Ler­nen för­dert

Fami­li­en­bil­dung – Geh- und Komm­struk­tur

Neben den zen­tra­len Ange­bo­ten in den Fami­li­en­bil­dungs­stät­ten wer­den dezen­tra­le Ange­bo­te in Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen, Pfarr­ge­mein­den und vie­len wei­te­ren geeig­ne­ten Orten orga­ni­siert und durch­ge­führt:

  • all­tags­er­leich­tern­de Ange­bo­te: selbst­ver­ständ­lich, leicht erreich­bar und bezahl­bar
  • nied­rig­schwel­li­ger Zugang an ver­trau­ten Orten
  • ziel­grup­pen­ori­en­tier­te Ange­bo­te durch ver­trau­te Per­so­nen

Fami­li­en­bil­dung als Netz­werk­ar­beit

  • Ver­net­zung familien(bildungs)orientierter Koope­ra­tio­nen zum Woh­le von Fami­li­en
  • Netz­werk­part­ner: Anbie­ter der Fami­li­en­bil­dung, Kir­chen­ge­mein­den, Kom­mu­nen, Betreu­ungs- und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen wie Kin­der­ta­ges­stät­ten und Schu­len, pri­va­te und öffent­li­che Jugend­hil­fe, fami­li­en­ori­en­tier­te Initia­ti­ven wie Bünd­nis­se oder
  • Run­de Tische für Fami­li­en

Fami­li­en­bil­dung als Qua­li­fi­zie­rungs­zen­trum für Beruf und Ehren­amt

Wei­ter­bil­dung und Qua­li­fi­zie­rung für Kin­der­ta­ges­pfle­ge und Betreu­ung von Kin­dern bis 3 Jah­re

  • Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen und Schu­len
  • Fami­li­en­bil­dung und Alten­hil­fe
  • Ehren­amt und Frei­wil­li­gen­ar­beit
  • Inte­gra­ti­on

Fami­li­en­bil­dung als Dienst­leis­tung

Kon­zept­ent­wick­lung, fach­li­che Beglei­tung und Unter­stüt­zung von

  • Kin­der­ta­ges­stät­ten auf dem Weg zu Eltern-Kind-Zen­tren bzw. Fami­li­en­zen­tren
  • Fami­li­en­bil­dungs­ein­rich­tun­gen auf dem Weg zu Mehr­ge­nera­tio­nen­häu­sern

 

Familienbildung – Mitwirkung auf überörtlicher Ebene

Bun­des­ebe­ne

Katho­li­sche Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft für Ein­rich­tun­gen der Fami­li­en­bil­dung

Inter­es­sens­ver­tre­tung der 80 Mit­glieds­ein­rich­tun­gen in poli­ti­schen, gesell­schaft­li­chen und kirch­li­chen Gre­mi­en­auf Bun­des­ebe­ne, fach­be­zo­ge­ne Wei­ter­bil­dun­gen und Publi­ka­tio­nen

Lan­des­ebe­ne

Katho­li­sche Lan­des­ar­beits­ge­mein­schaf­ten für Erwach­se­nen- und Fami­li­en­bil­dung

Siche­rung und der Aus­bau der Rah­men­be­din­gun­gen sowie die Dar­stel­lung der Fami­li­en­bil­dungs­ar­beit im fach­li­chen und poli­ti­schen Umfeld, Zusam­men­ar­beit mit den Fach­mi­nis­te­ri­en

Regio­na­le Ebe­ne

Deka­na­te und Bis­tü­mer
Kom­mu­ne und Kreis:

Koor­di­na­ti­on, Kon­zept­ar­beit, Qua­li­täts­ma­nage­ment, Netz­werk­ar­beit

Fami­li­en­bil­dung und Fami­li­en­hil­fe: Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de

  • Fami­li­en­bil­dung als Kann-Leis­tung des KJHG will durch die frei­wil­li­ge Teil­nah­me und durch Lern­er­fah­rung in Grup­pen die Erzie­hungs- und Bezie­hungs­qua­li­tät und damit das All­tags­le­ben der Fami­li­en ver­bes­sern.
    Fami­li­en­hil­fe (Sozi­al­päd­ago­gi­sche Fami­li­en­hil­fe-SPFH, Ein­zel­fall­hil­fe) als Pflicht­leis­tung des KJHG will die Erzie­hungs­si­tua­ti­on vor Ort durch Ein­zel­fall­hil­fe ver­bes­sern.
  • Sie hat als Ziel­grup­pe Fami­li­en in gra­vie­ren­den Unter­ver­sor­gungs­la­gen (Bil­dung, Erzie­hung, Finan­zen, Wohn­raum, Arbeit).
    Die Inan­spruch­nah­me reicht von Frei­wil­lig­keit bis zum Druck durch das Jugend­amt.

Fami­li­en­bil­dung und Fami­li­en­hil­fe: Ver­zah­nung

  • Ver­zah­nung von unter­schied­li­chen insti­tu­tio­nel­len Berei­chen, von Grup­pen­an­ge­bo­ten und Ein­zel­fall­un­ter­stüt­zung, als Öff­nung der Ein­zel­fall­hil­fe in Rich­tung Grup­pen­an­ge­bo­te und als Öff­nung der Fami­li­en­bil­dung für Fami­li­en in Unter­ver­sor­gungs­la­gen
  • Neue Koali­tio­nen von
    • auf­su­chen­den Hil­fen der Fami­li­en­hil­fe und Grup­pen­an­ge­bo­ten der Fami­li­en­bil­dung
    • stadt­teil­ori­en­tier­ter Fami­li­en­bil­dung und SPFH

Fami­li­en­bil­dung ist Inves­ti­ti­on in die Zukunft

  • Kath. Ein­rich­tun­gen der Fami­li­en­bil­dung errei­chen mit ihrer Arbeit jähr­lich mehr als eine Mil­li­on Men­schen in Deutsch­land.
  • Sie ver­fü­gen mit ihrer oft jah­re­lan­gen Erfah­rung über die not­wen­di­ge Kom­pe­tenz, bedarfs­ge­rech­te Ange­bo­te zu ent­wi­ckeln und die­se in einem Netz­werk mit ande­ren Part­nern zu rea­li­sie­ren.
  • Dafür brau­chen sie ver­läss­li­che per­so­nel­le, orga­ni­sa­to­ri­sche und finan­zi­el­le Rah­men­be­din­gun­gen.
  • Denn: Star­ke Fami­li­en­bil­dung – Star­ke Fami­li­en

Die­ses Kon­zept ist in Zusam­men­ar­beit mit der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Katho­li­schen Fami­li­en­bil­dungs­stät­ten der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ent­stan­den. Es ist urhe­ber­recht­lich geschützt und darf (auch in Aus­zü­gen) nicht kopiert wer­den.

 

AutorIn­nen:

  • Dr. Mech­til­de Boland-Thei­ßen
    Hele­ne-Weber-Haus, Kath. Forum für Erwach­se­nen- und Fami­li­en­bil­dung Aachen-Stadt und -Land,
    Mehr­ge­nera­tio­nen­haus
  • Irm­gard Neuß
    Familien­bildungs­stätte Dül­men, Kath. Bil­dungs­fo­rum im Kreis­de­ka­nat Coes­feld,
    Mehr­ge­nera­tio­nen­haus Dül­men
  • Chris­ti­an Jung
    Familien­bildungs­stätte Gro­nau, Katho­li­sches Bil­dungs­fo­rum im Kreis­de­ka­nat Bor­ken
  • Ange­li­ka Tusch­hoff
    Katho­li­sche BAG für Ein­rich­tun­gen der Fami­li­en­bil­dung Düs­sel­dorf
  • Bern­hard Wit­te
    Lei­ter Katho­li­sche Familien­bildungs­stätte Lübeck e.V.
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